Mittwoch, 5. November 2008

Prognosen, Siegeshymnen und sichere Gewinner...

Es ist grad 1:45 Uhr und ich beobachte gespannt, was die Wahlnacht bei den lieben Amerikanern so bringt. Für mich vor allem Verwunderung über die Berichterstattung. Sowas hat die Welt noch nicht gesehen... 


Kaum sind die ersten Wahllokale geschlossen, kommen auch schon die ersten Nachrichtenagenturen und TV-Sender nicht etwa mit Hochrechnungen an, NEIN! Die kommen gleich mit gewonnenen Bundesstaaten! Oho, man kann heute also direkt eine Stunde nach Schließung der Wahllokale an der Ostküste sagen, wer da welchen Bundesstaat für sich entschieden hat... Zählen die gleich bei der Stimmabgabe mit, damit das Ergebnis schneller feststeht, oder was?! Die Welt giert nach der Neuigkeit, wer der nächste große Mann im Weißen Haus wird, da ist es vielleicht auch ein bisschen verständlich, dass man sich zu weit aus dem Nachrichtenfenster lehnt. Lieber korrigiert man alle 30 Sekunden den Live Ticker, eine Abartigkeit im Zeitalter der globalisierten Nachrichtenwelt. Wirklich handfeste Ergebnisse kann niemand präsentieren, aber interessiert ja keinen. So gibts die kurzen Sensatiönchen für lau und jeder darf sich bis zur nächsten Aktualisierung des Live Tickers ein bisschen drüber aufregen oder freuen, je nach politischem Standpunkt.

Fox News zum Beispiel ist Vorreiter, wenn es um die Deklaration von Gewinnern geht. Da wird auf der interaktiven USA Karte gern einfach mal wahllos blau oder rot eingefärbt. Zeitweise ist die halbe Ostküste blau, also demokratisch, dann wieder nichts und auf einmal doch nur Vermont. Den Stand der ausgezählten Stimmen, bzw. Bezirke kann man bei jedem Bundesstaat sehen und nicht einer ist auch nur annähernd damit fertig.... Aber wozu eigentlich Stimmen auszählen?! Obama wurde von der Welt als Präsident bereits anerkannt, ohne dass auch nur ein einziger Stimmzettel ausgegeben wurde. Das nenn ich eine reife Leistung. Man soll aber mal nicht vergessen, dass wir Europäer bei den letzten Wahlen auch lieber jemand anderen als Sieger gesehen hätten und dann doch alles ganz anders kam. Siegesgewissheit im demokratischen Lager, Kämpferstimmung bei den Republikanern. Ich selbst halte jetzt nicht mit meiner Meinung zu den Kandidaten im US-Wahlkampf hinterm Berg. Es wäre sicherlich klüger, wenn Barack Obama in Washington einziehen würde, aber das entscheiden immer noch Millionen von Menschen, die es fertig gebracht haben einen George Walker Bush satte zwei Mal zu wählen (oder es zugelassen haben, dass er sich ins Amt schummelt, wie mans nimmt). Und schon bei der letzten Wahl 2004 hatten die lieben Amis offiziellen Umfragen zu Folge die Schnauze voll vom George Walker Bush.

Der Mensch lernt ja, manchmal...

Sonntag, 2. November 2008

Gleich gehts weiter....

...doch erst die Reklame!


In den endlosen Weiten meiner Musiksammlung fand sich heute dank Shuffle im Player ein netter Track einer Hip Hop Combo aus den 90ern wieder, die schon damals das mediale Elend beim Namen nannten. Die netten Herren von Créme de la Créme sind also schon vor gut 10 Jahren auf den Schund aufmerksam geworden. Mag ja den Ein oder Anderen überraschen, aber der Verfall hat nicht erst gestern begonnen. Man hat tv-technisch ja so gut wie alles von den Amis abgekupfert und so war es nur eine Frage der Zeit, bis das Proll-TV auch bei uns einen unaufhaltsamen Siegeszug antritt. Heute hat Unterschichten-TV einen Namen: Talk Show nennt sich der Spaß. 
Mir ist übrigens durchaus bewusst, welche Worte ich gerade gewählt habe. Ja, Unterschichten-TV. In Deutschland gibts ja offiziell keine Unterschicht. Aber man hat sich heimlich eine gezüchtet, vermutlich aus Spaß und um Menschen zu haben, die die Quoten der TV-Sender oben halten... Das geht übrigens auch ganz einfach. Man nehme sozial schwache Familien, siedle sie in einem eigenen Viertel an und warte ab, was passiert. Da wären wir übrigens wieder beim Abkupfern von den Amis. Die haben den Mist mit der Ghettoattitüde ja vorgemacht und welch Überraschung, in Deutschlands "Ghettos" haben wir auch mehr Gangster, Kleinkriminelle und Möchtegernschlitzer, als nötig. 

Aber zurück zu den Talk Shows. Freut euch mit mir über folgende Lyrics:

Ich habe manchmal so Tage, an denen mit Texten nix geht 
Und ich ende dann meist vor dem TV Gerät. 
Dann denk ich mir, was ist los? 
Wer lässt bloß die ganzen dummen Tussis in den Buffalos in die Talkshows? 
Keine Ahnung, das sollt ich Arabella fragen. 
Sie zerstückeln und dann in einen Keller tragen. 
Und während ich so in Gedanken die Überreste von Frau Kiesbauer in ein Verließ mauer, 
zapp ich weiter zu Karallus, oh man die ist sauer. 
Denn bei Birte sitz `n Türke, Bomberjacke, lange Haare, 
er vertritt seine Meinung, er sagt Frauen sind Ware. 
„Ich bin Mehmet, weißt du, ich komm aus Port, ich bin krass. Ich ficke Fotzen, so lange sie nass sind. Meine Alte kein Bock, hab ich nix mitgebracht, hab ich nackt mit Handschelle an Heizrohr gemacht!“ 
Da erhebt sich aus dem Publikum eine Alte Dame 

Gleich geht’s weiter, doch erst die Reklame. 
Gleich geht’s weiter, doch erst die Reklame. 
Gleich geht’s weiter, doch erst die Reklame. 
Gleich geht’s weiter, doch erst die Reklame. 
Dann gibt es auf die Fresse, aber bitte mit Sahne. ... 

Hausfrauen, Arbeitslose und Vollidioten, 
sorgen jeden Tag für Rekordeinschaltquoten. 
Ich bin also nur einer von vielen Talkshowgestörten Kranken. 
Und wahrscheinlich soll ich mich für den Scheiß bedanken. 
Die alte Dame zeigt Mehmet den Mittelfinger. 
Man merkt Hass liegt in der Luft wie bei Jerry Springer. 
Ich hab genug von dem Proll. 
Frage mich was das soll. 
Ich wechsel’ den Kanal, denn diesen habe ich voll. 
Zurück zu Arabella mit drei fetten Weibern, mit viel zu fetten Leibern und selbst genähten Kleidern. 
Sie wollen der Welt erzählen, dass sie sich nicht in ihren Körpern quälen. 
Können sie gern machen, aber ich glaube ihnen leider kein Wort. 
`N bisschen weniger fressen und `n bisschen mehr Sport, 
dann könntet ihr im Urlaub ins Meer oder am Strand spazieren, ohne dass euch gleich Wahlfänger harpunieren. 
Ich weiß ja auch nicht warum ich mich darüber abfuck, 
ich krieg Plaque bei den Kack, 
also schalt ich meine Glotze ab. 

Gleich geht’s weiter, doch erst die Reklame...


Bis zum nächsten Post!

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Entscheidungsschwierigkeiten

Bisher habe ich es prima vermieden über persönlichen Kram in meinem Blog zu schreiben. Heute will ich dann aber doch mal. Ich plage mich mit einem kleinen Entscheidungsproblem und das hat direkt mit dem Blog zu tun und auch direkt mit mir selbst als Musikredakteuse. 


Das Word Up! Magazine war bis vor kurzem noch mein journalistisches Zuhause. Allerdings habe ich mich dann schweren Herzens doch von dem Magazin getrennt, denn da geht einfach mal gar nichts. 

Nur mal ein Beispiel:

Im April (!!!) hatte ich ein Interview mit den Jungs von ONYX (Slam und Slam Harder wird den meisten ein Begriff sein, wenn nicht, dann hilft da Youtube gern weiter.) Jedenfalls war das ein Exklusivinterview und somit das einzige seiner Art in Deutschland. Kinder, was hab ich mich drüber gefreut! Normalerweise sollte man ein solches Interview dann unter die Leute bringen, wenn es fettig und heiß ist. War ja auch mein Plan. Da kam besagtes Magazin um die Ecke und bot mir einen Platz in der Redaktion an. Gut, hab ich genommen. Man kann ja davon ausgehen, dass das Mag seine Arbeit genauso ernst nimmt, wie man selbst. 
Der Mensch kann sich täuschen...

Das Mag hat es bisher nicht geschafft auch nur eine aktuelle Ausgabe rauszubringen, was mit Sicherheit nicht an meiner Arbeit liegt, sondern kläglich am Herausgeber scheitert. Jetzt gammeln auf meiner Festplatte eben noch diverse Interviews rum, die es eigentlich wert wären, gelesen zu werden. Und hier liegt der Hase im Pfeffer begraben...

Gehören Interviews in einen Blog wie diesen!? 
Soll ich alte, eigentlich nicht mehr akutelle Interviews posten?!
Hat Hip Hop als Thema Platz in diesem Blog?!

Jungs und Mädels, es hängt von euch ab. Ich lasse euch voten und ihr entscheidet selbst, ob ihr die Interviews lesen wollt, oder eben nicht. 

Kleine Auswahl, was ich interviewtechnisch im Angebot habe:
ONYX
Kool Keith
El Magico Pictures
Franky Kubrick
etc....

Cheers und nen frischen Tag.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Die Geschichte von Hirn und Mensch ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

"Deutschland verblödet!"

"Generation Doof"
"Verdummung muss ein Ende haben!"

Na, kommt das Jemandem bekannt vor?! Die Flut von Artikeln, TV-Beiträgen und Videoclips nimmt kein Ende, die sich eben genau um dieses Thema drehen: wir werden doof.
Oder vielmehr sind wir es schon und das in den meisten Fällen auch noch ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Neu ist das nicht. 
Die Ursachenforschung nach der kollektiven Idiotie lässt mich innerlich schmunzeln, denn eigentlich weiß jeder, was zum geistigen Totalausfall von Millionen Menschen geführt hat. 

Wir selbst sind schuld. So siehts aus, liebe Freunde.
Immer mal schön vor der eigenen Haustür kehren...

Die Feinde, die uns alle dumm machen wollen, sind die Medien. Immer. In jeder Begründung, wieso wir so behämmert durch unsere fluffig-blumige Welt der Bekloppten rennen, sind es jedes Mal die bitterbösen Medien. Ohne Frage muss man eingestehen, dass es im TV nur Grütze gibt, mit so wenigen Ausnahmen, dass diese Perlen kläglich im Programmheft der Wahl absaufen. Aber der Mensch schuf an der Glotze auch nen Knopf, mit dem man selbige ausschalten kann... 

Natürlich können wir selbst bestimmen, womit wir uns tagtäglich medial zudröhnen. Aber die Flut und die unbändigen Massen an meist qualitativ minderwertigen Informationen machen es schwer herauszufiltern, was wirklich wichtig ist und was eher in die Rubrik Hirnschmalzabbau gehört. Paris Hiltons Pfläumchen auf ner Party fällt eher in letztere Kategorie. 

Womit wir zum nächsten Punkt kommen, der uns alle zwar mehr oder weniger interessiert oder fasziniert, unseren mentalen Fähigkeiten (ich meine damit kein Uri-Geller-Gerotze im Stil von "Ich kann den Tisch schweben lassen") leiden aber massiv darunter. Stars, Sternchen, D-, E- und F-Prominente, Castingtörtchen und Modelpussies... Damit beschäftigen sich die meisten Deutschen am liebsten nach Feierabend. Und seit einiger Zeit hat diese Begeisterung für sinnbefreites Casting-Entertainment einen neuen Berufswunsch unter Heranwachsenden hervorgezaubert. 

Star wollen alle werden. Reich, berühmt und schweinesexy. 
Es wäre vermutlich leicht arrogant, wenn ich an dieser Stelle sage, dass es einige wenige wirkliche Stars gibt, die das durch Talent, harte Arbeit und ein gutes Management- und Marketingteam geworden sind (in welcher prozentualen Verteilung sei dahingestellt....) und 99,99% aller Castingteilnehmer im Leben nie das Zeug dazu haben werden. Aber ich sags trotzdem. Lernt was ordentliches, menschenskinder!

Würde z.B. ein Teil der lieben TV-Gucker ihr Sehverhalten ändern und nicht Dieter Bohlen Rekordeinschaltquoten bescheren, dann wär das vielleicht der Anfang einer wunderbaren Freundschaft zwischen Hirn und Besitzer. 

Das Leben kann doch so schön sein. Lebt sich doof natürlich auch einfacher....

So, Serie läuft.
Cheers.


Montag, 27. Oktober 2008

Wenn der Verleger die Hosen voll hat..

Als Autor schreibt man in den meisten Fällen eine ganze Weile an einem gut recherchierten Buch und ist dann ganz froh, wenn man einen Verlag gefunden hat, der neben einem großen Namen und Renommee auch noch eine große Auflagenzahl für das eigene Buch bieten kann. Das kann man getrost als Jackpot bezeichnen, jedenfalls aus Autorensicht. Es läuft aber nicht in allen Fällen so glatt, wie eben dargestellt. Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Autorin Sherry Jones. 

Der Verlag, Random House (großer Verlag, viel Kohle, guter Ruf), hatte sich vorgenommen den Roman "Aisha. Das Juwel von Medina" zu veröffentlichen. In letzter Minute ging den Damen und Herren beim Verlag aber der Hintern auf Grundeis und man entschied sich gegen die Publikation. Ein anderer amerikanischer Verlag witterte seine Chance und sprang in die Bresche. Allerdings wurde die Veröffentlichung kurzfristig vorgezogen.
Stellt sich die Frage, wieso ein Buch in unserer modernen Zeit einen Verlag wie Random House so verschrecken kann und wieso der andere Verlag es offensichtlich eilig hatte, das Werk von Sherry Jones so schnell wie möglich rauszukloppen (anders kann man das nicht bezeichnen).
Die Antwort darauf ist so simpel, wie erschütternd... Aus Angst vor Terroranschlägen.

Aha. Ein Buch provoziert einen Terroranschlag. Muss ein interessantes Buch sein. 


Ja, tatsächlich wegen eines Buches, dass von einer Ungläubigen Amerikanerin geschrieben wurde und das Leben Aishas, der Lieblingsfrau des Propheten Mohammed, beschreibt. Stein des Anstoßes war eine Frau, um genau zu sein eine Islamwissenschaftlerin, die auf den Namen Denise Spellberg hört. Die gute Frau bezeichnete das Buch als pornografisch und weigerte sich aus eben genanntem Grund einen Klappentext für das Werk zu schreiben. Und hier fängt der Unsinn an. 

Weltweit wurden Proteste laut, die auf der einen Seite ein Verbot des Buches erreichen wollten und auf der anderen Seite unbedingt durchsetzen wollten, dass man es veröffentlicht. Die Partei pro Veröffentlichung hat Runde eins gewonnen. Aber das wars ja noch lange nicht. Der Vorfall hat mich persönlich in meinen Grundfesten der modernen Literatur gegenüber durchaus erschüttert.
Dass es immer schon Bücher gab, die polarisierten und auch verboten wurden, ist nicht neu. Meist waren es kritische Werke, die man mit dem Prädikat "zu gefährlich für die allgemeine Bevölkerung" veredelte. Das hatte oft einfach nur den Hintergrund, dass der Leser jener Bücher eventuell auf die dumme Idee gekommen wäre sich mit dem Inhalt der verbotenen Werke auseinanderzusetzen und das vorherrschende System zu hinterfragen. Sowas geht ja nun beim besten Willen nicht...

Ich würde mich sicherlich nicht zu einem durchaus brisanten Post zum Thema Religion und literarischen Freiheiten hinreißen lassen, wenn ich mich nicht doch ein bisschen um Hintergrundwissen bemüht hätte. Ich gehe im Übrigen auch nicht davon aus, dass mich in absehbarer Zeit ein netter Fundamentalist mit 5kg C4 unterm Hemd in seine Arme schließt und gleichzeitig den Auslöser betätigt... Aber mir ist bewusst, dass ich mich auf sehr gewagtes Terrain begebe, wenn ich mich kritisch dazu äußere. Aber selbst der Fakt, dass es gewagt ist, verdient es als erschreckend bezeichnet zu werden. Soweit ist es schon gekommen, dass man sich teilweise als Verbrecher fühlt, wenn man die eigene Meinung laut sagt... Es lebe die Meinungsfreiheit. Es lebe die Pressefreiheit. Es lebe die Religionsfreiheit. 

Also weiter im Text. 

Nach den Karikaturen aus Dänemark und der Absetzung der Mozartschen Oper "Idomeneo" nun also ein weiterer Fall von Fundamentalismus in der Kunst. Gut, bei der dänischen Karikatur muss man sagen, dass der Spaß ziemlich übers Ziel hinaus geschossen ist... Dabei ist das Buch subjektiv empfunden nicht mal so brisant. Es dreht sich um Aisha, die im Alter von sechs Jahren mit dem Propheten verlobt und mit neun verheiratet wird. Das sind alles Tatsachen. Sherry Jones erlaubt sich als Autorin die Darstellung der ehelichen Pflichten und bringt dabei das Thema Pädophilie zur Sprache, zwar nicht explizit, aber anders kann man das ohnehin nicht nennen, wenn ein 50 Jähriger sich mit einer 10 oder 11 Jährigen vergnügt... Und diese beschriebene Szene macht das Buch laut Denise Spellberg zum Porno auf 448 Seiten.
Allerdings geht es nicht nur um die Pädophilie und Kinderheirat, was damals wie heute noch recht gängig und gebräuchlich war, bzw. ist. Muslime in aller Welt fühlen sich aber auch von ganz anderen Aspekten des Buches angegriffen. Mohammed als Prophet wird vermenschlicht und er hat Schwächen, wie jeder andere Mensch auch. 

Hier mal eine kleines Zitat von einem Herrn, namens Rudi Paret Kohlhammer:

„In diesem Zusammenhang, nämlich bei der Frage nach der Geschichte Mohammeds und seiner Zeit, betrachten wir den Koran als eine historische Quelle erster Ordnung, und wir sehen unsere Aufgabe darin, ihn mittels einer eingehenden Interpretation zum Sprechen zu bringen. Dabei ist uns Mohammed mehr als ein bloßer Übermittler göttlicher Wahrheit. Er tritt selber in Aktion, behaftet mit menschlichen Schwächen, was ihn uns sympathisch macht, weil wir in ihm unser Fleisch und Blut sehen, und zugleich begabt mit einer menschlichen Größe, die uns Bewunderung und Ehrfurcht abnötigt. “

Jetzt die Überraschung: darüber hat sich keiner aufgeregt. Niemand. Kein Fundamentalist, kein Islamforscher. 

Halten wir folgendes fest: Sherry Jones verpasst Mohammed in ihrem Buch menschliche und männliche Züge, zeigt auch Schwächen und wird deshalb prompt öffentlich als Ketzerin dargestellt. Rudi Paret Kohlhammer beruft sich auf den Koran und sagt explizit, dass Mohammed Schwächen hatte. Ihn will man nicht steinigen.

Sherry Jones vermittelt in ihrem Buch ein sehr vielschichtiges Bild des Propheten und benutzt historisch belegte Fakten sowie ihre eigene Fantasie um eine Geschichte zu schreiben, was für Autoren von Romanen durchaus so üblich ist. Bei Dan Brown hat sich meines Wissens nach auch nicht der Papst beschwert, dass er seine Verschwörungsbücher mit dem Thema Christentum gegen Naturwissenschaft veröffentlicht hat...

Respektlosigkeit, ja teilweise Blasphemie wird der Autorin vorgeworfen. Dabei sollten Kritiker mal eines nicht vergessen. Mohammed war Prophet und Gottesgesandter, nicht Gott. Und es gab vor Mohammed diverse andere Propheten, denen das Wort Gottes verkündet wurde. Nur Mohammed hat es sich auf die Fahne geschrieben, den Islam zu verbreiten und Missionsarbeit zu verrichten, wenn man so will. Etwas anderes sagt Sherry Jones in ihrem Buch auch gar nicht. Ich für meinen Teil finde, dass dieses Buch den Islam sympathisch macht, was nach etlichen Hetzkampagnen eher eine Ausnahme in der weiten Welt der Bücher darstellt. Propaganda gegen den Islam verkauft sich besser, denn jeder Heinz im Kleingartenverein hat ja Angst vor Terroranschlägen. Vielleicht verkauft sich dieses Buch auch ganz passabel, immerhin ist man in Amerika ja um die nationale Sicherheit besorgt, seit der Roman käuflich zu erwerben ist. Das nenn ich mal eine Steilvorlage für das Marketingteam des mutigen Verlages...

Seit der dänischen Karikatur sind wir Ungläubigen gehemmt, was Kritik am Islam betrifft, wenn man mal von der Propaganda zum Thema "Religion des Bösen" absieht, von der ich absolut nichts halte.
Theologische Theorien, und der Islam ist zweifelsohne eine davon, sind nicht nur dazu da um sie kommentarlos hinzunehmen. Ich plädiere für Religionsfreiheit, für Pressefreiheit und für den Dialog zwischen den Religionen. Jeder mag der Religion seiner Wahl nachgehen, aber es sollte gestattet sein, dass auch Außenstehende sich ein Bild machen dürfen und ja, ich finde es nicht im Ansatz verwerflich, dass eine Frau, die sich selbst nicht als Muslimin bezeichnet, ein Buch über den Religionsstifter und dessen Frauen schreibt. Ich wette, dass auch arabische Medien sich über manchen Christen oder Ungläubigen lustig machen. Ich bin auch überzeugt davon, dass ein gewisser Grad an religiösem Humor durchaus vertretbar ist. Wo hier die Grenzen zu ziehen sind, stellt ein sensibles Problem dar. 

Für mich ist klar, dass ein Dialog zwischen den geistigen Gesinnungen notwendig und produktiv ist. Die eine Religion zu verteufeln und die andere als einzig wahre zu deklarieren, hat in der Vergangenheit schon so manche Auseinandersetzung heraufbeschworen. Muss ja nicht wieder sein.

Ein bisschen Offenheit und Toleranz hat noch keinem geschadet. Mal ehrlich, wem tut es denn wirklich weh, wenn Mohammed sympathisch beschrieben wird?! Ist der unbarmherzige religiöse Irre dem elitären Kreis der C4 Fundamentalisten vielleicht lieber?!